Uber versteckt sich – eine Spurensuche

Uber sei in Hamburg, hört man. Die aus den USA kommende Internetplattform wolle jetzt auch in Hamburg aktiv werden, wird kolportiert. Fahrer, die Touren von der Vermittlungs-Plattform abnehmen, würden gesucht, ist zu lesen. Doch wer sich auf die Suche macht nach Uber-Mitarbeitern in Hamburg, gar einer Dependance der mit über einer Milliarde US-Dollar kapitalisierten Firma, hat es gar nicht so einfach.

Nehmen wir beispielsweise die Reporterin eines bekannten Fernsehsenders. Ihre erste Interview-Anfrage blieb unbeantwortet, verlief im Nichts. Zur Erinnerung: Es handelt sich um einen milliardenschweren Konzern, für den per Definition eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit zum Pflichtprogramm zählt. Firmen, die in dieser finanziellen Liga spielen, haben üblicherweise öffentlich sichtbare Büros und mindestens eine gut erreichbare Presseabteilung. Bei Uber dagegen läuft alles sehr konspirativ. Eine Interviewtermin? Mal sehen. In Uber-Räumen? Lieber nicht. Könnte ein Uber-Fahrer beim Interview-Termin dabei sein? Nein.

Selbst die Adressen der örtlichen Niederlassungen werden wie eine Verschlusssache behandelt. Bekannt war bisher nur die Berliner Adresse, und die auch nur, weil eine solche für die Handelsregister-Eintragung der „Uber Germany GmbH“ vorgeschrieben ist .

Dass Uber zurückhaltend ist mit der teuren Einrichtung von örtlichen Büros, kann auch zusammenhängen mit dem kräftigen Wind, der Uber derzeit frontal ins Gesicht bläst. Zuerst erließ ein Berliner Gericht, auf Antrag eines Taxiunternehmers, eine Einstweilige Verfügung gegen den Limousinen-Service „Uber Black“. Dann folgte eine Unterlassungsverfügung der Hamburger „Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation“ gegen den „Uber Pop“-Clone Wundercar. Und der Bundesverkehrsminister wollte mit seinen Länderkollegen darüber sprechen, wie die Taxibranche zu schützen sei vor illegalen Angriffen. Keine schöne Aussichten, wenn man gerade mit ordentliche Geld sein Geschäft in Deutschland aufbauen möchte.

Wenn man also Büros und Besprechungszimmer braucht, ohne gleich ein richtiges eigenes Büro anmieten und einrichten zu wollen, wenn man keine größeren Investitionen tätigen möchte, weil einem womöglich Gerichte und Behörden humorlos  in die schönen Businesspläne grätschen, dann wendet man sich an Firmen, die Büroservices anbieten. Dort nehmen die Mitarbeiter eines solchen Büroservices im Namen von Dutzenden Firmen Post und Telefonate entgegen, und stellen gegen eine kleine Extra-Miete stundenweise Büros und Besprechungszimmer für den temporären Bedarf zur Verfügung. Eine in Hamburg für solche Büroservices bekannte Firma ist das „Hamburg Business Center“ in der Poststraße, direkt neben dem „Hanse-Viertel“. Und hier finden wir dann auch im Treppenhaus, von der Straße nicht einsehbar, das Firmenschild von „Uber“ – ganz rechts und ziemlich unten, zwischen Dutzenden anderen Firmenschildern.

Uber-Büroschild in Hamburg Business Center, Poststraße, 2014-06-30  Foto: Clemens Grün

Das ist der Nachteil, wenn man Geschäfte machen will: Irgendwann muss man seine Nase, zumindest ein wenig, zeigen. Da nützt einem auch eine Abschottungs- und Versteck-Strategie, die man ansonsten der Scientology-Sekte oder einem Pädophilenring zutrauen würde, gar nichts. We Got Ya!

Foto: Clemens Grün

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