Print

Aktuelle Nachrichten

06.12.2015

Letzter Blog-Beitrag: "Umfrage: Keine Mehrheit für Taxi-Liberalisierung" (6.12.15)

weiter lesen


07.05.2015

Uber stoppt Tourvermittlung in Kansas

weiter lesen


15.04.2015

Blitz-Marathon - hier wird am Donnerstag kontrolliert

weiter lesen


08.04.2015

Neue Rot-Grüne Koalition plant mehr Taxiposten und Switchh-Stationen

weiter lesen


20.12.2014

SPIEGEL-Streitgespräch zwischen Uber-Chef und Sprecher des Hamburger Taxenverbandes

weiter lesen


16.09.2014

Senat beschließt 7,8%-Tarifanpassung wg. Mindestlohn

weiter lesen


26.06.2014

Neuer Blog bei TAXI-MAGAZIN.DE

weiter lesen


24.06.2014

"Taxifahrerproteste haben gewirkt - Wundercar vermittelt keine illegalen Taxis mehr"

weiter lesen


05.06.2014

ARGE-Verbände veröffentlichen Flyer zur Taxidemo 11.6.2014

weiter lesen


27.05.2014

Neuer Weblog NAPPMATER.DE huldigt dem MEISTER

weiter lesen


TAXITARIF: Streit und Ungewissheiten bei der Erhöhung für 2011

Streit paradox um die diesjährige Tariferhöhung: Die BSU möchte möglichst schnell eine Tariferhöhung für die Hamburger Taxen erreichen - und die Gewerbevertreter sind dagegen. Sie fordern stattdessen die Streichung der Karenzminute.

Martin Huber (53) ist verblüfft: Als oberster Taxen-Aufseher ist der Leiter des Rechtsamtes der Hamburger BSU (Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt) auch zuständig für den staatlich verordneten Taxitarif der Hansestadt. Bevor Huber 2004 diese Position einnahm, war es üblich, dass auf Phasen jahrelanger Tarifstagnation eine spürbare Erhöhung folgte. Mit dieser Tradition hat er gebrochen und, mit Ausnahme von 2009, jährlich für eine kleinere Anpassung gesorgt. Doch dieses Jahr sind die Vertreter des Taxengewerbes gar nicht erpicht auf eine prozentuale Erhöhung, beispielsweise für die in letzter Zeit deutlich gestiegenen Kraftstoffpreise. Vielmehr wird von Gewerbevertretern der Wegfall der sogenannten "Karenzminute" gefordert.


Die "Karenzminute" gibt es außer in Hamburg nur in wenigen Städten oder Gemeinden: Immer, wenn das Taxi steht oder mit sehr geringer Geschwindigkeit rollt, steht auch das Taxameter - für die nächsten 60 Sekunden. Fährt der Wagen dann im städtischen Stop-and-Go kurz wieder an und kommt erneut zum Stehen, beginnt eine weitere Gratisminute. Der von der Behörde gewünschte Effekt: Für den Fahrgast ist die selbe Strecke immer gleich teuer - egal, wie lange die Fahrt dauert. Für Taxifahrer und -unternehmer ist das ein Ärgernis: Verordnet Ihnen die Stadt die Pflicht zur unbezahlten Arbeit, wenn sie mit Kunden unverschuldet in einem Stau stehen. Manche haben die Konsequenz gezogen und meiden während der Rush-Hour-Zeiten die Innenstadt, was immer wieder zu Engpässen bei der Bedienfähigkeit im Innenstadtbereich führt.
 


Gewerbevertreter zeigten sich einig
 
Die Gewerbevertreter in den Hamburger Taxiverbänden zeigten sich bei der Sitzung des "AK Marktdaten" am 9. März 2011 in der BSU einig in ihrer Ablehnung einer üblichen prozentualen Tariferhöhung. Stattdessen fordern sie die Streichung der Karenzminute, welche im Jahre 2000 eingeführt wurde. Doch ohne belastbare Zahlen über die Auswirkungen dieser "stillen Tariferhöhung" will Amtsleiter Huber von der Karenzminute nicht abrücken - und an diesen belastbaren Zahlen mangelt es bisher.

Einzelne Unternehmer wie Aurel Tetzlaff (71) oder das Hansa-Genossenschaftsmitglied Ivica Krijan (42) haben auf eigene Faust Zahlen ermittelt. Dabei wählten sie unterschiedliche Methoden: Tetzlaff, der auch 1. Vorsitzender des wiederbelebten HTV (Hamburger Taxenverband) ist, ließ ein Taxameter mit dem Taxitarif aus Frankfurt/Main in seinen Privatwagen einbauen. Gemeinsam mit einer seiner Taxen, dessen eingeschalteter Taxameter den Hamburger Fahrpreis anzeigte, fuhr er in seinem Privatwagen sechs Strecken an einem Freitag Vormittag ab und ermittelte die Differenzen zwischen dem Hamburger und dem Frankfurter Tarif. Auch nach wiederholten Überprüfungsfahrten an weiteren Freitagen zur gleichen Zeit steht für Tetzlaff fest: In Frankfurt gibt es für die gleichen Strecken deutlich mehr Geld. Die Differenz zwischen dem Hamburger Tarif mit und dem Frankfurter Tarif ohne Karenzminute beträgt seinen Messungen zufolge ca. 13 bis 14 Prozent.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt Ivica Krijan. Er nutzte eine Stopuhr zur Ermittlung der verkehrsbedingten Stillstände ohne Bezahlung. 250 Fahrten, teilweise im vollen nachmittäglichen oder abendlichen Hamburg, teilweise nachts, trug er akribisch in einer Tabelle zusammen. Nach Auswertung dieser Tabelle steht auch für Krijan fest: Ohne die "Karenzminute" hätten seine Fahrten in etwa 13% mehr eingebracht.
 


Prozentuale Erhöhung vor der Änderung der Zuständigkeiten
 
Doch Martin Huber von der BSU möchte erst Testfahrten abwarten, die unter der Leitung von Thomas Lohse (51) absolviert werden sollen. Lohse ist zweiter Vorstand der "Hansa Funktaxi eG" und Vorsitzender des Gewerbeverbands "Taxen-Union Hamburg Hansa e.V." sowie der Vertreter des Personenbeförderungs-Gewerbes in der Hamburger Handelskammer. In dem avisierten Test sollen in einigen Taxen zwei Taxameter parallel installiert werden - eines mit dem gültigen Tarif mit den kostenlosen 60 Sekunden bei Wagenstillstand, und eines mit dem gleichen Tarif, aber ohne die Karenzminute. Doch technische Probleme bei der Parallel-Installation verzögerten die Tests mit den zwei parallelen Taxametern. Belastbare Zahlen, die als sichere Grundlage für einen Tarifvorschlag der Hamburger Taxiverbände gegenüber den bisher skeptischen Behördenvertretern genutzt werden sollen, werden kaum vor dem Sommer erwartet.

Die bisher fehlenden Ergebnisse behindern aktuell die Verhandlungen über die Abschaffung der "Karenzminute". Mittlerweile drückt die BSU aufs Gaspedal und hat Verbände und Zentralen zur Anhörung des behördlichen Vorschlages einer prozentualen Erhöhung von etwas mehr als 4% zum 4. Mai eingeladen.

Hinzu kommt die Verschiebung der Zuständigkeiten durch den neuen Zuschnitt der Wirtschaftsbehörde, die künftig für das bisherige BSU-Dezernat "Infrastruktur und Verkehr" (Leiter Ulrich Werner, 53) und damit auch für Taxi-Aufsicht und -tarif zuständig sein wird. Martin Huber als Leiter des Rechtsamtes der BSU, bisher für die Hamburger Taxen verantwortlich, bleibt bei der BSU und verliert damit in den nächsten Wochen seine Taxen-Zuständigkeit. Offensichtlich ist es das Ziel, bis dahin noch eine prozentuale Tarif-Erhöhung unter Dach und Fach zu bekommen - mit einer strukturellen Änderung des Hamburger Taxitarifs durch den Wegfall der "Karenzminute" sollen sich dann erst die kommenden Zuständigen auseinandersetzen.

 

Text + Foto: Clemens Grün

 

Erstveröffentlichung: 13. April 2011


 



----------

TAGS (Schlagworte):


Artikel :.: Hamburg :.: 2011 :.: Taxitarif :.: Behörde_BSU :.: Huber_Martin :.: Karenzminute :.: Lohse_Thomas
:.: Krijan_Ivica :.: Tetzlaff_Aurel
----------

 

Den Artikel kommentieren? Ganz unten befindet sich die Möglichkeit, einen Leser-Kommentar zu verfassen. Wir möchten Sie/Euch bitten, dabei die Regeln der Höflichkeit sowie die Gesetze zu beachten. Die Redaktion behält sich in Einzelfällen Kürzungen oder die Löschung eines Leser-Kommentars vor.

Zurück


Kommentare

18.04.2011

Mark

Ich glaube, das die zugegeben bewußte Hinhaltetaktik der Behörde, von der Clemens berichtet, eine reine Inszenierung der Willkür darstellt. Vom einfachen Selbstversuch ala Tetzlaff bishin zum Feldversuch sind die Ergebnisse von vornherein vollkommen berechenbar. Man betreibt gegenüber den Kutschern mit einer vorgeschobenen Argumentation pure Augenwischerei. Die Behörde muss sich endlich der Verantwortung stellen, die Kutscher und sogar alle Verbände von ihr bei diesem Thema abverlangen. Weitergehende staatlich verordnete Einkommensverhinderungs-Schikanen werden wir Kutscher uns nicht mehr bieten lassen. Über 10 Jahre KM haben uns genug Geld gekostet. Es reicht!

18.04.2011

G. Eichberg

Zur Einführung der Karenzminute war kein Gutachten erforderlich. Wenn jetzt einfach nur die Rücknahme gefordert wird, ist das starre Festhalten an Datenerhebungen lediglich eine peinliche Hinhalte-Strategie.

Niemand hat das Recht, über meine Arbeitszeit zu entscheiden, wenn ich sie ohne Kohle leisten soll! Oder die Behörde leistet Ausgleichszahlungen! Der restliche ÖPNV wird ja auch subventioniert!

18.04.2011

cat

Dass noch objektiver gemessen werden soll, wie viel ein Wegfall der Karenzminute zur Erhöhung des Fahrpreises beitragen würde, ist einerseits nachzuvollziehen. Auf schwerlich nachprüfbare Messungen Einzelner sollte sich eine Behörde allein nicht verlassen.
Doch dass die Karenzminute zurüch genommen werden muss, ist andererseits ebenso nachvollziehbar, stellt doch das Bedürfnis von Taxenunternehmern und Fahrern nach kosten- und aufwandsgerechter Bezahlung ihrer Dienstleistung ein höherwertiges Gut dar, als der angenommene Wunsch von Fahrgästen, für Strecken gleicher Länge, aber unterschiedlicher Fahrtzeit, möglichst immer den gleichen Fahrpreis zahlen zu wollen. Dieses Argument zur Fahrpreisgerechtigkeit wurde dem Taxengewerbe damals als Strategie zur Steigerung des Fahrgastaufkommens verkauft. Dass nach der Einführung der Karenzminute mehr Menschen mit dem Taxi gefahren sind, ist mir allerdings nicht bekannt.
Gerade nach vielen mageren Jahren einer vermeintlich kundenorientierten, moderaten Preispolitik täten Gewerbe und Senat gut daran, auch im Hinblick auf soziale Gerechtigkeit, dieses Kapitel unbezahlter Leistungserbringung endlich zu schließen.
Wir sollten uns nun nicht mit irgendeiner Art von Tariferhöhung abspeisen lassen, die die Karenzminute unangetastet läßt, denn es geht vielmehr um das Prinzip: Arbeitsaufwand und –zeit müssen bezahlt werden. Letztlich geht es vor allem darum, dass wir unsere Arbeit nicht unter Wert verkaufen. Dies ist auch eine Frage der Würde.

15.04.2011

HTV e.V.2.Vorstand R.Perez Hagen

Die Karenzminute gehört dringend abgeschafft und ist keine Lösung.Die Kosten wie der teure Kraftstoff u.a.können kaum noch erwirtschaftet werden.Ich verweise auf den Kommentar von Christian,wonach keinerlei Rücklagen mehr möglich sind.Die Einnahmen müssen eine ausreichende Verzinsung des Kapitales bringen.Unternehmer und Fahrer haben Kosten,die nicht mehr gedeckt werden können.Ich erhoffe für das hamburgische Taxengewerbe auf brauchbare Ergebnisse bei der Tarifgestaltung.Die Karenzminute ist abzuschaffen.

15.04.2011

Jörn Napp

Gemeint waren natürlich EURO! Mist!

15.04.2011

Jörn Napp

Schon im SEPTEMBER 2001 hat JÜRGEN KRUSE, damals im AR des Hansa festgestellt, daß die KM etwa 400 DM im Monat kosten würde! Immerhin einer der Begründer dieser Schnapsidee! Näheres dazu unter 'Tarif 2011' auf dem FREIEN FORUM ! Trotzdem haben seine Mannen und er selber in den jeweiligen Positionen immer letztlich diese dann doch unterstützt!? Werden sie jetzt sicherlich auch wieder machen, denn bisher habe ich von der Anmeldung einer Demo durch die UNION noch nichts vernommen!