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TAXIPOSTEN: Taxinotstand in Altona

Seit der Taxiposten am Bahnhof Altona vor etwa zwanzig Jahren in die Sackgasse zwischen Bus- und Fernbahnhof verlegt wurde, gibt es Probleme mit der mangelnden Kapazität. Weil die Anzahl der Stellplätze zu gering war, standen die Taxen teils bis in die Postenzufahrt und behinderten Stadtbusse. Die Straßenverkehrsbehörde hat das Problem auf eigenwillige Weise gelöst: Sie reduzierte die Bereitstellungsfläche für Taxis drastisch.

Am 21. Juli wurden die Taxifahrer am Bahnhof Altona vor vollendete Tatsachen gestellt: Statt des alten – ohnehin knapp bemessenen – Taxipostens mit 20 Stellplätzen fanden sie einen verstümmelten Restposten vor, der gerade einmal 8 Taxen Platz bietet. Für weitere 4 Stellplätze wurde auf dem Parkplatz am Paul-Nevermann-Platz eine Parkbucht zum Kleinposten deklariert. Allerdings an einer schlecht einsehbaren, unattraktiven Stelle und ohne einen Bezug zum Hauptposten. Auch ohne überdurchschnittlichen verkehrspolitischen Sachverstand erkennt man sofort die Brisanz dieses Schildbürgerstreichs: Statt analog zur herausragenden Entwicklung der Stadtteile Altona, Ottensen und Bahrenfeld die Bereitstellungsflächen für Taxen bedarfsgemäß zu erhöhen, wird einer der wenigen Taxenposten, der sich zudem am Verkehrsknotenpunkt im wirtschaftlichen Zentrum befindet, halbiert.

Die Folgen sind für Taxifahrer, Kunden und nicht zuletzt die Umwelt schmerzlich. Weil sich Taxifahrer ausschließlich auf gekennzeichneten Taxenposten bereitstellen dürfen, sind sie darauf angewiesen, dass diese Flächen von den zuständigen Behörden dort zur Verfügung gestellt werden, wo ein entsprechender Bedarf besteht. Ignorieren die staatlichen Stellen diese verkehrspolitischen Erfordernisse, können die Fahrer ihrer gesetzlichen Betriebspflicht nicht nachkommen und werden bei der - ohnehin schwierigen - Ausübung ihres Berufes behindert. Die Bewohner eines lebendigen Stadtteils - wie Altona/Ottensen - erwarten zu Recht, dass eine sinnvolle Mischung verschiedener Beförderungsmöglichkeiten zur Verfügung steht, die auch den ÖPNV-Zweig Taxiverkehr einschließt. Besonders unter der Prämisse, dass der Individualverkehr reduziert werden soll. Wenn die Taxifahrer keine ausreichenden Bereitstellungsflächen vorfinden, sind sie gezwungen, ihre Arbeit einzustellen oder ohne Aufträge durch die Straßen zu fahren, bis sie entweder einen Kunden gefunden oder einen Funkauftrag erhalten haben. Das macht weder aus wirtschaftlicher noch aus ökologischer Sicht Sinn.

Dass in einem prosperierenden Quartier die ohnehin zu knapp bemessenen Bereitstellungsflächen erneut reduziert werden, empört viele Taxifahrer, die sich auf Altona und Umgebung spezialisiert haben. „Offenbar sind den Behörden die Belange der Taxifahrer ebenso gleichgültig, wie der Wunsch der Fahrgäste, bei Bedarf schnell eine Taxe zu bekommen“, ist das bittere Resümee von  Boy-Ove Dau (54), Mitglied der lokalen Taxizentrale „Taxi Altona 226 226 226“. Durch die absurd knappen Bereitstellungsflächen werde man gezwungen, ähnlich dem Kinderspiel „Reise nach Jerusalem“ solange im Kreis zu fahren, bis endlich einer der begehrten Plätze am Posten frei geworden ist. Erreicht ein Kollege den Platz schneller, beginne das Spiel von Neuem. „Mit dieser verantwortungslosen Politik missachten die Behörden ihre Fürsorgepflicht sowohl für uns Taxifahrer als auch für Kunden und Umwelt“, konstatiert der langjährige Altona-Fahrer.

Von einer solchen Fürsorgepflicht will der für die Stellplatz-Reduzierung verantwortliche Sachbearbeiter der Straßenverkehrsbehörde nichts wissen: Er sehe die Sache völlig emotionslos. Wenn kein freier Platz vorhanden sei, sollen die Fahrer sich doch an einer anderen Stelle bereit halten - in irgend einem Stadtteil werde schon ein Platz frei sein. Ansonsten müssten die Fahrer einfach „cruisen“, so die wenig bürger- und umweltfreundliche Einlassung des zuständigen Behördenmitarbeiters Meß. Die betroffenen Taxifahrer sollen sich doch freuen, dass am Bahnhof Altona endlich ein legaler Posten geschaffen wurde, nachdem die Taxen bisher lediglich im Rahmen eines Modellversuchs geduldet worden seien, so seine eigenwillige Sichtweise.

Hintergrund ist die Tatsache, dass in den achtziger Jahren ein großer mehrspuriger Taxiposten mit über zwanzig Plätzen dem jetzigen Parkplatz am Paul-Nevermann-Platz weichen musste. Die Ersatzfläche, die Sackgasse zwischen Fern- und Busbahnhof, wurde von vielen Fahrern zwar als unzureichende Lösung empfunden, aber mehr als zwei Jahrzehnten als Bereitstellungsfläche für über 20 Taxen genutzt, obwohl die vorgeschriebene Beschilderung fehlte. Es stellte sich jedoch im Laufe der Jahre heraus, dass die Kapazität des Postens zu gering war, denn häufig standen auch auf den Zufahrtsspuren Taxen bereit, deren Fahrer keinen anderen Stellplatz gefunden hatten, und behinderten die auf den Busbahnhof zufahrenden Stadtbusse. Zudem wurden, nachdem die Wache der Bahnpolizei verlegt worden war, Parkplätze für Dienstfahrzeuge in der Sackgasse eingerichtet. Deren Fahrer hatten offenbar Probleme, die relativ enge Gasse neben den bereitgestellten Taxen zu befahren. Die daraus folgenden Beschwerden führten zu der jetzigen Lösung, bei der Belange der Taxifahrer und -kunden offenbar eine untergeordnete Rolle spielten.

Viele Taxifahrer sind fassungslos angesichts der Mär von der zwanzigjährigen Duldung eines illegalen Postens an einem Verkehrsknotenpunkt und Stadtteilzentrum, sie halten die Argumentation für einen billigen Taschenspielertrick der Behörde, um ihre berechtigten Interessen abzubügeln. Wäre die Bereitstellungsfläche schon mit dem Umzug in den Achtzigern radikal reduziert worden, hätte es bereits dann erbitterte Proteste gegeben. Dass jetzt eine drastische Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen als „allgemeinverträgliche“ Maßnahme im Sinne der Rechtssicherheit verkauft wird, empfinden viele der mühsam um ihre Existenz kämpfenden Taxifahrer als Provokation.

Es gibt aber auch Fahrer, die die Angelegenheit als Chance sehen, endlich tiefgreifende Veränderungen der katastrophalen Situation bezüglich der Taxistellplätze in Altona und den umgebenden Stadtteilen herbeizuführen. Sie erwarten, dass spätestens nach dem Ferienende die negativen Folgen der Behinderung des Taxiverkehrs für die Taxifahrer und -kunden - und vermutlich auch die Verkehrsteilnehmer im Umkreis des Bahnhofs - ein kritisches Maß überschreiten werden, so dass das Problem endlich in den Fokus der Öffentlichkeit gelange. Auf diese Weise, so hoffen die Taxifahrer, würden die Verantwortlichen - wie Sachbearbeiter Meß - gezwungen, die Belange des ÖPNV-Zweigs Taxiverkehr endlich, auch zum Nutzen der Taxikunden, angemessen zu berücksichtigen.
 

Text: Sven Althorn  /  Foto: Bernhard Bode

 

Erstveröffentlichung: 26. Juli 2011

 

 

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Kommentare

20.10.2011

Jörn Napp

Wie man auf meiner Website im Forum erkennen kann (mit vielen Fotos), ist zumindest der kleine Taxistand ständig von Fremdfahrzeugen zugeparkt, was aber niemanden zu stören scheint!? Weder die Polizei läßt sich sehen, noch irgendein Aktivist der Altonaer Szene oder gar unserer Verbände!
Da kann man feststellen: Jaulen ist billig, aber tatsächlich VOR ORT etwas zu tun macht Arbeit!
Ich jedenfalls kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Taxifahrer dort sich in das Unvermeidliche gefügt haben!

27.07.2011

G. Eichberg

Deutlicher kann man Arroganz nicht zur Schau stellen!
In der Übersicht der Taxenposten bei der Taxenabteilung der Behörde f. Wirtschaft, Verkehr und Innovation ist von einem Widerrufsvorbehalt oder einer zeitlichen Begrenzung wie bei anderen Posten nichts zu lesen!
Selbst, wenn es ihn denn gäbe, wäre er durch Gewohnheitsrecht nach so langer Zeit hinfällig geworden.