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MYTAXI: Fragliche Wirksamkeit der Vertrags-Kündigungen

Die starke öffentliche Kritik an mytaxi wegen der Massen-Kündigung der Teilnahmer-Verträge hält an. Empört zeigen sich viele aus dem Taxengewerbe auch wegen des geplanten Systems aus Tourenauktion und anteiliger Vermittlungsprovision. Dabei mischt sich berechtigte Kritik mit überzogener, und so mancher "Zentralist" erfreut sich nun an Revanche-Fouls. Dabei sind einzelne Aspekte der geplanten Änderungen zumindest diskussionswürdig. Die Chance zur sachlichen Bewertungen ist aber durch das nassforsche Vorgehen des Hamburger Start-Ups kaum gegeben. Die überraschenden Kündigungen und der ausgeübte Druck, die neuen, einseitig diktierten Verträge zu akzeptieren, wollen einflussreiche Hamburger Mehrwagen-Unternehmer nicht hinnehmen und im direkten Gespräch "auf Augenhöhe" zu einmer gemeinsamen Lösungen mit mytaxi kommen. Die mögliche Unwirksamkeit der per eMail versandten Kündigungen könnte die für solche Gespräche notwendige Zeit verschaffen. Ein Lagebericht von Clemens Grün.

 

Bei der in Internetforen, auf der mytaxi-Facebookseite und in Zeitungs-Artikeln veröffentlichte Kritik an mytaxi muss man, gemäß der alten Devise "Wem nützt das", deutlich unterscheiden. Denn es sind nicht nur enttäuschte mytaxi-Nutzer, die ihrem berechtigten Unmut lauthals Platz verschaffen. Da sind auch eine Reihe jener "Zentralisten" dabei, die sich mit ihrem kräftigen Pusten in den Shitstorm revanchieren wollen für die Tatsache, dass ihnen mytaxi in den letzten vier Jahren nicht wenige Touren abgenommen hat.

Einige Kritiker schießen dabei weit über das Ziel hinaus. Da werden beispielsweise, aus der Ferne und bar jeder Fakten, über die Privatwagen und das Einkommen der Geschäftsführer absurde Fehlinformationen gestreut. Dabei fuhr einer der beiden Geschäftsführer jahrelang mit einem Motorroller zum mytaxi-Sitz, sein kürzlich angeschaffter Wagen ist ein Gebrauchter. Der andere fährt seinen Wagen auch schon länger, und beim alten Golf eines weiteren Mitgliedes der Führungsmannschaft hat der Autor vor Monaten während einer Taxischicht erst ob einer leeren Batterie vom Taxi überbrücken müssen (kostenpflichtig, anstandslos bezahlt). Neue Luxusautos ginge anders. Aber wenn manche Taxifahrer keine Fakten kennen, heißt das ja nicht, dass sie sich nicht mit - und sei sie noch so an den Haaren herbeigezogen - Vermutungen und Meinung behelfen könnten. Fakten wie die, dass mytaxi für die Firmenzentrale keinen einzigen Firmenwagen besitzt und für den Außendienst in ganz Deutschland gerade eine Handvoll, würden da nur stören.

Aber es gibt auch die berechtigte Kritik von Taxiunternehmern und -fahrern mit mytaxi an Bord. Diese haben in den letzten Jahren für die immer besser werdende Bedienfähigkeit von mytaxi gesorgt. Eine Geschäft auf Gegenseitigkeit: Mytaxi nahm den herkömmlichen Taxizentralen Touren in teils bedeutender Höhe ab, von denen dann andere gute und fleißige Taxifahrer profitieren konnten, die aber außerhalb der etablierten Tourvermittler ihr Geschäft betreiben. Hier in Hamburg beispielsweise kamen erst mit dem wachsenden Erfolg von mytaxi viele Nicht-Zentralen-Kollegen an einen Teil jener Touren heran, welche vorher fast ausschließlich durch die beiden hiesigen Großzentralen vermittelt wurden. Dabei ist insbesondere der ordentliche Batzen an ehemaligen Hansa-Touren zu nennen, die jetzt von Droschkenkutschern weggefahren werden, welche nicht die horrenden fünfstelligen Summen aufbringen können, mit denen man erst einen Zugang zu der Hansa-Genossenschaft bekäme. Andere dieser Taxifahrer-Kollegen wollen sich schlicht nicht dem dortigen Diktat unterwerfen, beispielsweise jener absurden Vorschrift, dass man nicht einmal bei 35 Grad im Schatten eine dreiviertellange Hose tragen dürfe. Dass mytaxi das Ganze dabei als kommerzielles Geschäft betreibt, war allen Beteiligten immer klar. Keiner erwartete hier eine wohltätige Veranstaltung. Die bisher gezeigte Fairness und der moderate Vermittlungspreis waren für die Taxenunternehmer und -fahrer, die mytaxi nutzten, eine völlig akzeptable Geschäftsgrundlage.

Von diesen Taxiunternehmern und -fahrern muss sich mytaxi tatsächlich eine Menge berechtigter Kritik anhören und daraus schnell und umfassend die richtigen Lehren ziehen. Insbesondere die Art und Weise der überraschenden Kündigung sämtlicher zahlender mytaxi-Kunden, um damit neue Bedingungen und Preise bei der Tourvermittlung durchsetzen zu können, hat eine Qualität, die für viele bisherige mytaxi-Freunde schockierend ist. Auch wenn sich viele Beobachter darüber einig sind, dass das Vorgehen weniger "bösartig" und vielmehr "schwer unbedarft" motiviert ist: So etwas darf sich nicht noch einmal wiederholen.

Was in den bisherigen Diskussionen, z.B. im DAS-Taxiforum, unterbelichtet bleibt, ist jener Teil der mytaxi-Argumentation, der für eine Veränderung der bisherigen Tourvermittlung sprechen könnte, zumindest diskutabel ist. Diese Argumente von mytaxi setzen (stillschweigend) voraus, dass auf Sicht Mehreinnahmen aus der Tourenmakelei generiert werden soll - die mytaxi-Dementis auf solche Vorhalte empfinden viele Beobachter als eher schwach und unglaubwürdig. Wenn also Mehreinnahmen generiert werden sollen, dann ist das tatsächlich über eine rein nominale Erhöhung der Vermittlungsprovision problematisch. Gerade Kurztouren von beispielsweise 6 oder 7 Euro (brutto) würden richtig teuer werden, würde die Tourvermittlung künftig z.B. pauschal auf € 0,99 statt bisher € 0,79* (netto) angehoben werden. Andererseits würde das ab dem 1. Februar dJ. beabsichtigte Provisionsmodell eine Menge negativer Effekte produzieren, so beispielsweise die bisherige Leitidee "das schnellstmögliche Taxi zum Kunden" durchlöchern und beschädigen. Ein wichtiger Wettbewerbsvorteil der mytaxi- vermittelten Taxen, nämlich die im statistischen Mittel teils deutlich kürzere und schneller Anfahrt gegenüber den Taxen mit Zentralen-Bereichsvermittlung, würde - jedenfalls in vielen Städten mit guter mytaxi-Bedienfähigkeit - leiden, wenn ein weiter entfernt stehender Wagen die Tour nur deshalb bekäme, weil er höher geboten hätte.

Wie geht es weiter? Das hängt nicht zuletzt davon ab, wie konstruktiv und tatsächlich fair mytaxi mit den sie bezahlenden Taxiunternehmern umgeht. Dass die flächige Kritik Wirkung zeigt, ist seit der gestrigen Ankündigung dokumentiert - nun soll statt der absurden Höchstgrenze von 30% Vermittlungsprovision ein Limit von 15% gelten. Das ist zumindest eine Größenordnung, die - wenn ehrlich gerechnet wird - ähnlich auch bei vielen herkömmlichen Zentralen gelten. Ehrlich rechnen heißt, die während der Nicht-Laufzeiten der Taxen durch Urlaub, Krankheit oder Werkstattaufenthalt weiterlaufenden Zentralen-Gebühren genauso einzurechnen wie die Kosten für bargeldlose Touren, welche bei mytaxi mit dem geplanten Wegfall der bisherigen 2,75% für die Payment-Touren ohne Extraberechnung blieben. Ehrlich rechnen hieße aber auch, von Seiten mytaxis einmal zu erklären, warum sie einen insgesamt höheren Vermittlungspreis haben wollen als einige der herkömmlichen (z.B. Berliner) Taxizentralen, obwohl hier die Tourvermittlung vollautomatisch läuft und dort hohe Personalkosten für die Tourvermittlung aufgebracht werden müssen. Ein 24-Stunden-Callcenter an jedem Tag des Jahres ist ohne Zweifel kostenträchtiger als ein paar surrende, gemietet Vermittlungs-Server in einem Rechenzentrum.

Wichtige Hamburger Mehrwagenunternehmer, die alleine für eine dreistellige Zahl von mytaxi-Fahrern in der Hansestadt stehen, haben in einer gestrigen Sitzung beschlossen, das von mytaxi versuchte Diktat nicht zu akzeptieren. Sie wollen in Gesprächen "auf Augenhöhe" mit der mytaxi-Geschäftsführung zu einer gemeinsamen Lösung kommen. Für solche Gespräche könnte mehr Zeit zur Verfügung stehen, als es die mytaxi-Geschäftsführer bisher einplanen, denn nun rückt das Verfahren des Massen-Kündigungen in den Blickpunkt. Einerseits könnten mit der Kündigung vom 8. zum 31. Januar 2014 Kündigungsfristen oder handelsrechtliche Vorschriften wie der von den einzuhaltenden "guten Sitten" verletzt sein. Andererseits ist möglicherweise die Form der Kündigung als eMail - zumal ohne Empfangsbestätigung - rechtlich fragwürdig. Immerhin muss für die Wirksamkeit einer Kündigung diese vom Empfänger auch erhalten werden. Würde nur ein einziger mytaxi-Kunde am 1. Februar gegen seine Nichtteilnahme an der veränderten Vermittlung erfolgreich klagen, z.B. in der Form einer Einstweiligen Verfügung, müsste mytaxi umgehend den alten Stand wieder herstellen. Eine Parallel-Vermittlung von alter- und neuer Provisionsregelung dürfte aus technischen Gründen ausgeschlossen sein. Dann ständen plötzlich jene mytaxi-Kunden, welche die email-Kündigung und die neuen Regelungen akzeptierten, ohne gültige Verträge dar. Ein Desaster drohte - imagemäßig, finanziell und vielleicht sogar technisch.

Ein zwei- oder dreimonatiges Moratorium, in denen die bisherigen Vermittlungs-Regeln und -Preise über den 1. Februar hinaus erst einmal weiter gelten würden, nähme eine ganze Menge des entstandenen Drucks aus der emotional aufgeheizten Angelegenheit. Es gäbe dann genügend Zeit für Gespräche der mytaxi-Geschäftsleitung mit ihren jetzt verprellten Kunden. Auch sollte mytaxi dringend über die Einrichtung eines aus dem Gewerbe stammenden hauptamtlichen Taxifahrer-Obmannes nachdenken, auch ein bei Bedarf tagender Beirat könnte für die Zukunft Verwerfungen wir die derzeitigen künftig verhindern helfen.

Was allerdings derzeit nicht gemacht werden sollte, wäre, die vermutlich entstandenen rechtlichen Mängel bei den eMail-Kündigungen noch schnell heilen zu wollen durch eine erneut überraschende Kündigungswelle, diesmal rechtssicher per Brief oder FAX. Fehler sollte man nicht wiederholen, schon gar nicht schwere.



* Die Hamburger Sonderregelung von € 0,49 pro Tour, wenn mit Werbung gefahren wird, stammt aus den Anfangstagen des nur in Hamburg gemachten Testbetriebs 2010 und ist längerfristig wohl nicht zu verteidigen.

 

 

Lesetipps:

   - Artikel MYTAXI: Der Pionier der Taxi-Apps am Scheideweg

   - Diskussion "myTaxi App - neues "Geschäftsmodell" ab 1.2.14" im DAS-Taxiforum (unnötigerweise wegzensierte Beiträge hinzudenken)

   - Linkliste mit Artikeln zum neuen Vermittlungs- und Preismodell im DAS-Taxiforum

   - Artikel My Taxi – erst Revolution, jetzt Rebellion ? im HH-Taxi.de-Blog von Christian Lüdemann

   - Online-Petition "Gegen Fairmittlungsgebühr" (kann ohne öffentliche Namensnennung "anonym" unterzeichnet werden)


 
 
 
 
 
Erstveröffentlichung: 15. Januar 2014
 
 
 
Text + Foto: Clemens Grün
 
 
 
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Kommentare

05.04.2014

Bauchweh

Zu Artikel "MYTAXI: Fragliche Wirksamkeit der Vertrags-Kündigungen": In Österreich gibt es die App mit den zusatzgebühren (noch9 nicht. Aber in Wien haben die myTaxi Bosse eine andere Startegie entwickelt nachdem sie die App nicht hoch gebracht haben. Sie haben einfach einen Taxiunternehmer welcher 100 Wagen sein eigen nennt super konditionen gegeben und der fährt 90 % der Touren alle anderen sind nur "NOTNAGEL" so kann es vorkommen das man im Monat 30 Aufträge bekommt das nächste Monat bei gleicher Fahrweise nur 2 Wenn man nun nachforscht kommt man zum entschluss wenn auf seinen Parkplatz viele Taxistehen die nicht in Betrieb sind fahren die Notnägel.Ausserdem haben die nur eine Hand voll Hotels in Wien wo die Hacke geht ausserhalb der Innenstadt ist myTaxi TOT.Es wenden sich auch immer mehr vonMy Taxi ab da nur Strom verbrauchen für eine App die 1 Auftrag im Monat abwirft ist sinnlos

Grüsse aus Wien

20.01.2014

NightcabBN

Zu Artikel "MYTAXI: Fragliche Wirksamkeit der Vertrags-Kündigungen": Das Gesundbetenwollen des Verhaltens von MT geht in diesem Artikel doch verdammt schief. Jeder der sich die Mühe macht, die Umsätze mal mit alten und neuem System gegenüber zustellen (bei dem neuen System bin ich mal defensiv von nur 9% aösm Mittelwert ausgegangen) wird mind. eine DREI(!)fache Erhöhung der MTgebühren feststellen. Auch fehlt in dem Artikel ein Kommentar zu den fragwürdigen, wenn nicht unrechtmäßigen neuen AGBs , die ein u.a. ein Quittungsausstellungsverbot für den Fahrer, eine zukünftige Monatspauschale, ein Schätzen des Umsatzes durch MT, eine Speicherung sämtl. Daten beinhalten sollen.

17.01.2014

Marvin

Zu Artikel "MYTAXI: Fragliche Wirksamkeit der Vertrags-Kündigungen": Es ist verständlich, dass der Autor Clemens Grün enttäuscht von der Entwicklung beim von ihm in den vergangenen Jahren so enthusiastisch beworbenen hamburger Software-Unternehmen mytaxi ist und seine Fehleinschätzung nicht öffentlich breittreten möchte. Aber statt in einen glaubwürdigen Kritikmodus zu schalten und mit halbwegs aktuellen Fakten zu glänzen, liefert er einen substanzarmen, halbherzigen Verteidigungsversuch mit der mühsam hergeleiteten Hoffnung auf ein Moratorium ab. Vielleicht wird ja alles wieder gut.

Interessant ist bereits sein Bewertungskriterium für die Kritik an mytaxi: „wem sie nützt“ anstatt wie allgemein üblich „Stichhaltigkeit der Argumente“. Da werden kritische Kollegen, die nicht bei mytaxi teilgenommen haben, als rachsüchtige „Zentralisten“ diffamiert, die lediglich sauer über abgeluchste Kunden seien. Dabei lässt der Autor außer Acht, dass sich der Kundenstamm beileibe nicht nur aus Zentralenbestellern, sondern zum großen Teil auch aus potentiellen sogenannten „Anläufern“ speist. In jedem Fall sind es Kunden des Taxigewerbes, die mytaxi diesem gegen möglichst saftige Gebühren automatisiert wieder zuführen möchte. Überhaupt: welchen Sinn ergibt eine Unterscheidung zwischen mytaxi und einer Taxizentrale überhaupt, wenn die Kosten für die automatisierte Vermittlung die der klassischen teilweise überschreiten und laut den neuen AGBs Monatsbeiträge vorgesehenen sind? Es ist nicht einmal ausgeschlossen, dass mytaxi zukünftig für nicht computeraffine Taxikunden preisgünstige Callcenter in irgendeiner günstigen Region der Welt nutzt.
Der absurde Exkurs über die Fahrzeugvorlieben der Eigner in Ermangelung irgendwelcher Fakten über deren tatsächliche Einkommensverhältnisse und die lustige Klassifizierung des schäbigen Geschäftsgebarens in „schwer unbedarft“ zeigt, dass Kaffee, Kekse und nette Worte eine kluge Investition waren: Hier möchte ein Fan nicht akzeptieren, dass er bitter enttäuscht wurde. Eigentlich wäre das von dem einstigen glühenden Verehrer mitbetriebene Taximagazin eine optimale Plattform für ein klärendes Interview. Aber die Eigner werden sich – wie bisher - hüten, dem Taxigewerbe Respekt zu zollen, indem sie ihre Geschäftspolitik transparent oder verbindlich gestalten.

Zwar sind herkömmliche Zentralen ebenfalls kein Hort von Transparenz und Gerechtigkeit, aber bisher war die Vermittlungsreihenfolge dort im Rahmen der Funkordnung nachvollziehbar definiert. In der Regel wird nach dem Prinzip „first in, first out“ Sektorenbasiert vermittelt. Bei mytaxi sind Faktoren, wie Gerechtigkeit und Transparenz schlicht nicht vorgesehenen. Angefangenen bei dem automatisierten Bewertungssystem, das zwar ein Vermittlungskriterium ist, für die Kollegen aber keinerlei Schutz vor Rachebewertungen durch Kunden bietet, die beispielsweise nicht mit einer taxenordnungskonformen Wartezeitberechnung oder der Mitnahmeverweigerung offener Getränke oder betrunkener Personen einverstanden sind, bis zum vollkommen intransparenten Vermittlungsalgorithmus. Zukünftig werden sowohl Vermittlungskosten als auch die Anzahl der vermittelten Touren pro Fahrzeug noch effizienter verschleiert, weil wegen der fahrzeugspezifischen Vermittlungskriterien niemand mehr von seinen Daten Rückschlüsse auf die Werte anderer Fahrzeuge ziehen kann. Schlechte Erträge können immer den vermeintlichen eigenen Fehlern zugerechnet werden. Seien es zu geringe Gebote oder nicht ausreichend gute Beurteilungen.

Statt auf die wirtschaftliche Macht einiger der sonst von ihm gescholtenen hamburger Großunternehmer zu bauen, sollte der Autor besser Fakten zur Geschäftspolitik und den Motiven der „plietschen Jungs“ einholen und veröffentlichen, wie es der Titel „Taximagazin“ suggeriert. Wenn es an substanzieller Information mangelt, wäre es besser zu schweigen, als eine derart krude Mischung aus Meinungsartikel und „Seid bitte wieder Lieb“-Appell abzuliefern.

15.01.2014

gringo

Zu Artikel "MYTAXI: Fragliche Wirksamkeit der Vertrags-Kündigungen"

Zitat:" Gerade Kurztouren von beispielsweise 6 oder 7 Euro (brutto) würden richtig teuer werden, würde die Tourvermittlung künftig z.B. pauschal auf € 0,99 statt bisher € 0,79* (netto) angehoben werden."
Die einzelne Tour ist nicht entscheidend und interessiert nicht. Denn am Ende des Monats wird abgerechnet.
Das Mittel liegt regelmäßig irgendwo zwischen 11 und 12 Euro. Das heißt also bei 8,5% vom brutto.