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MEDIEN: Deutscher Presserat "missbilligt" Spiegel-Online-Artikel über Taxifahrer

Der Deutsche Presserat hat "Spiegel Online" für einen Artikel über Taxifahrer wegen eines "kollektiven, ... abwertenden Urteils" eine "Missbilligung" ausgesprochen. Beschwerdeführer Clemens Grün, Redakteur bei TAXI-MAGAZIN.DE, erläutert die Beweggründe des Beschwerdeausschusses.

Am 2. Mai diesen Jahres veröffentlichte der "Spiegel-Online"-Kolumnist Tom König einen Schmäh-Artikel gegen Hamburger Taxifahrer ("Wo du wolle"). Teilweise bar jeder ordentlichen Recherche und Ahnung formulierte er einen Rundumschlag gegen das Taxengewerbe, namentlich gegen Hamburger Taxler. Da dichtete er einer Taxifahrerin ein Alkohol-Problem an, fabulierte von einem nicht eingelösten "Taxi-Produktversprechen ("Irgendwann einmal lautete das Taxi-Produktversprechen: Du musst nicht mit den ungewaschenen Plebs in der U-Bahn sitzen"), definiert ahnunglos Auto-Klassen um (Mercedes E-Klassen-Taxen zählen bei ihm zu den "Oberklasse-Limousinen", wo sie doch nur zur "oberen Mittelklasse" gehören) , um dann, einmal in Rage, Flughafen-Fahrer kollektiv niederzumachen: "Am Airport stehen nur jene Galgenvögel, die zu dumm, zu faul oder zu inkompetent sind, um anderswo eine Fuhre zu bekommen."

Tom König erkannte nur wenig Lichtblicke in der Taxibranche und nannte hier die Hansa- und myTaxi-Kollegen. Dumm nur, dass auch Hansa- und gerade myTaxi-Droschkenkutscher zu den geschmähten Flughafenfahrern zählen. Der Geschäftsleitung von myTaxi jedenfalls war dieses Lob so peinlich, dass sie für die wiederholte Löschung entsprechender Einträge auf ihrer Facebook-Seite sorgte.

Auch andere mochten dem rücksichtslosen Schreiber diese herabwürdigenden Zeilen über Hamburger Flughafen-Taxifahrer nicht durchgehen lassen. Der Deutsche Presserat, von Verleger- und Journalisten-Verbänden getragener Wächter über die Einhaltung der selbst auferlegten "Publizistischen Grundsätze", hat die Formulierung "Am Airport stehen nur jene Galgenvögel, die zu dumm, zu faul oder zu inkompetent sind, um anderswo eine Fuhre zu bekommen" nun mit dem zweitstärksten Sanktionsmittel, einer "Missbilligung", verurteilt. Der Beschwerdeausschuss, der aufgrund eines Antrages des Autors dieser Zeilen tätig wurde, urteilte: "Die Mitglieder (Anm: des Bescherdeausschusses) erkennen in der weitreichenden Behauptung, dass am Flughafen ausschließlich solche Taxifahrer ständen, die "zu dumm, zu faul oder zu inkompetent" seien, um anderswo eine Fuhre zu bekommen, einen Verstoß gegen die Ziffer 12 des Pressekodex. (...) Das kollektive, empirisch nicht ansatzweise unterlegte abwertende Urteil jedoch, das gefällt wird, diskriminiert die Gruppe der Taxifahrer, die am Flughafen ihre Dienste anbieten. Es wird als gruppenbezogene Tatsache dargestellt, was lediglich Einzelerfahrung des Autors ist" (aus der "Entscheidung des Beschwerdeausschusses 1" vom 15.9.2011, schriftlich hier heute eingegangen).

Damit war die Intervention des Justitiariats von "Spiegel Online", welches bezüglich des inkrimierten Satzes vortrug, dass "der Autor insoweit vor dem Hintergrund eigener Wahrnehmung zulässige, allgemeine Kritik an Flughafenfahrern/innen" übe und "eine konkrete Beleidigung nicht vorliege" (so die Zusammenfassung aus dem Schreiben des Beschwerdeausschusses), nicht erfolgreich. Im Gegenteil: "Presseethisch bewertet der Ausschuss den Verstoß gegen die publizistischen Grundsätze als so schwerwiegend, dass er gemäß § 12 Beschwerdeordnung eine Missbilligung ausspricht." Weiter empfiehlt der Ausschuss "Spiegel Online" "als Ausdruck fairer Berichterstattung" die Missbilligung auf ihren Seiten zu veröffentlichen

Der Autor dieser Zeilen hat, als erfolgreicher Beschwerdeführer, den zuständigen "Spiegel Online"-Ressortleiter Sven Böll (Wirtschaft) in einer eMail gebeten, sich nicht "lustig zu machen über Menschen in prekären Verhältnissen", während man gleichzeitig "die dafür zuständigen Verhältnisse ausblendet". Auch Verlags-Angestellte haben zumeist vernünftige Arbeitszeiten, ganz im Gegensatz zu dem Gros der Taxifahrer: "Sie werden jedenfall kaum eine andere Branche finden, in der Tausende Menschen fünf oder gar sechs Tage die Woche zwölf Stunden arbeiten müssen (statt 9to5 6to6) - entgegen aller gesetzlichen Regelungen (Arbeitszeitgesetz § 3), um die sich aber keiner schert - auch nicht aufsichtsführende Behörden oder die Berufsgenossenschaften."

Link: Artikel "MEDIEN: Wie ein "Spiegel-Online"-Kolumnist fehlende Taxi-Recherche durch Herrenreiter-Posen kompensiert" (TAXI-MAGAZIN.DE am 4. Mai 2011)


Erstveröffentlichung: 30. September 2011
 
Text: Clemens Grün
Foto: Screenshot von SPIEGEL.DE

 
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Kommentare

14.03.2012

Steffen Hartung

Auch von uns einen herzlichen Dank für deinen Einsatz. Schwarze Scharfe gibt es ja tatsächlich in jeder Branche. Es ist tatsächlich interessant zu lesen, was alles über Taxifahrer geredet wird.
Anm: "und" bedeutet "taxi-in-muenchen.com" (die Red.)

24.10.2011

Ben W

Danke für den Einsatz, ich selbst hab einen ausführlichen Leserbrief verfasst und mich beschwert. Das geht so wirklich nicht.

19.10.2011

Roberto Perez Hagen 2.Vorstand des HTV e.V.

Die hamburgischen Taxenverbände sollten versuchen mit der IHK enger zusammenzuarbeiten,um so die bestehenden Probleme des hamburgischen örtlichen Taxengewerbes gemeinsam mit einer ARGE(Arbeitsgemeinschaft)zu lösen.Mit dieser ARGE ist auch die Einheit des Taxigewerbes sichtbar.

13.10.2011

Joachim Wehl

hallo. ich von den bösen hansa-fahrern. ich höre jeden tag von fahrgästen, was sie an schlimmen erfahrungen mit kollegen vom flieger bzw. hbf machen mußten. das kann kein zufall sein und ist sicher auch nicht resultat einer kampagne, die von spiegel oder hansafunk über das sonst so tolle hamburger taxigewerbe ausgegöbelt wurde. wer es vorzieht, stunden am flughafen zu stehen (ok man kann dort schwatzen, tee trinken und karten spielen), soll doch bitte nicht erzählen, das hätte etwas mit arbeit zu tun. außerdem hat jeder fahrgast das recht, sein fahrziel selbst zu bestimmen, unabhängig von der gemüts- oder finanzlage einiger kollegen. ansonsten fette beute

02.10.2011

Marcel

Hier zeigt sich vor allem, das eine einzige klug handelnde Person einen Sieg gegen gezielte Agitation verbuchen kann! Gratulation und Dank!
Was aber war zu diesem Thema von den Verbänden zu hören? Und von der "Zwangsstandesvertretung" HK? Hat man sich dort, wie so oft, stillschweigend damit abgefunden? Den Aufschrei hätte ich von dort erwartet!
Marcel

01.10.2011

Holger Steffen

Auch von mir ein fettes Lob für Deinen gelungenen Einsatz und Deine Mühe. Das sich der ansonsten von mir sehr geschätzte "Spiegel" für einen derartigen Boulevardjournalismus, auf Kosten einer Minderheit im Niedriglohnbereich hergibt, halte ich für, um es mal gelinde zu formulieren, sehr befremdend!

30.09.2011

Ivica Krijan

Ich möchte mich für deine Intervention bedanken. Der Autor des Artikels bei Spiegel ist offensichtlich ein verbitterter Mensch, welcher seinen Seelenheil in der herabwürdigenden Haltung anderen Menschen gegenüber sucht. Dass Spiegel solchen Figuren eine Plattform gibt, spricht Bände.

Gruß Ivica Krijan

30.09.2011

thoma

Danke für deinen Einsatz an dieser Front, ich habe auch kaum jemals einen mieseren Artikel bzw Kolumne auf SPON gelesen, einfach peinlich bis unwürdig. (...)

thoma