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KOMMENTAR Testurteil für ADAC-Taxi-Test: Mangelhaft

Und jährlich grüßt das Murmeltier ... und der ADAC buhlt mit einem "Taxi-Test" um mediale Aufmerksamkeit. Leider stellt der Autoclub die seit Jahren bekannten methodischen Mängel nicht ab, weshalb sein "Taxi-Test" nur die Bewertung "mangelhaft" verdient.
 

Eigentlich muss sich das Taxigewerbe ob der Veröffentlichung der diesjährigen Ergebnisse des "großen Taxi-Tests" (Mopo) nicht grämen, denn die Probefahrer des Automobilclubs bescheinigen dem Taxigewerbe ganz überwiegend ordentliche bis sehr gute Arbeitsergebnisse. Bei 160 Kontrolltouren in acht deutschen Großstädten gab es, von Frankfurt am Main einmal abgesehen, im Test-Schwerpunkt "Routentreue" (macht 50% des Gesamtergebnisses aus) fast durchgehend das Urteil "sehr gut" (Ergebnis-Tabelle).

 

Nach genauer als die verlinkte Tabelle sind die Informationen auf der ADAC-Webseite. Man erhält dort die Einzelangaben zu Probefahrten in den acht ausgesuchten Städten (bei der ADAC-Webseite auf den jeweiligen Stadtnamen klicken) Für Hamburg ergibt das diese Momentaufnahme:

Stärken

  • - Taxameter mit einer Ausnahme bei allen Fahrten ordnungsgemäß eingeschaltet
  • - Fahrer oft beim Ein- und Ausladen des Gepäcks behilflich
  • - Knapp drei Viertel der Fahrer kannten Fahrziel auf Anhieb; die meisten konnten Sehenswürdigkeiten empfehlen
  • - Bei mehr als zwei Drittel der Fahrten Kreditkarten-Zahlung möglich
  • - Alle Fahrer ordentlich gekleidet, mit einer Ausnahme auch gepflegt; die meisten freundlich; alle gingen auf Fahrgast-Wünsche ein
  • - Alle Fahrzeuge außen, fast alle auch innen gepflegt und sauber
  • - In allen Fahrzeugen Konzessionsnummer, in den meisten auch Firmenadresse gut sichtbar angebracht
  •  

Schwächen

  • - Bei einer Fahrt K.O.-Wertung in der Kategorie Fahrer: Auf der Route Hauptbahnhof – Hotel tagsüber Beförderung verweigert mit der Begründung, es lohne sich nicht
  • - Bei einer Fahrt Umweg von 20,8 Prozent
  • - Bei fast zwei Drittel der Fahrten keine freie Wahl des Taxis möglich
  • - Oft kein sichtbarer Aufkleber „Bitte anschnallen“ oder keine entsprechende Aufforderung des Fahrers
  • - 42 Prozent der Fahrer konnten kein Restaurant empfehlen
  • - Zwei Fahrer missachteten rote Ampel; fünf andere überfuhren durchgezogene Linie; zwei weitere fuhren zu dicht auf
  • - In einem Fahrzeug Beifahrersitz sehr weit hinten, dadurch Platz auf Rücksitz sehr eingeschränkt
  • - Mit einer Ausnahme bei keiner Fahrt Quittung ordnungsgemäß ausgestellt
  • - In mehr als zwei Drittel der Fahrzeuge Tarifübersicht und Fahrerausweis nicht gut sichtbar angebracht; bei einem Fahrerausweis fehlte Foto


(Testzeitpunkt: 1./ 2. und 10 April 2014)


Der Taxi-Test selbst weist jedoch eine gravierend Schwäche auf, die seine Aussagekraft auf ein Minimum schrumpfen lässt und welche schon im TAXI-MAGAZIN.DE in 2011 kritisiert wurde: Er ist wegen der unfassbar geringen Zahl an Testtouren nicht einmal als profunde Stichprobe zu gebrauchen. Bei ca. einer halbe Milliarde Taxitouren pro Jahr in Deutschland sind 160 Testtouren ungefähr 0,0000003% der geschätzten Tourenmenge und also nichts weiter als ein Roulettespiel, welches nur vom Zufall lebt und folglich ohne belastbare Ergebnisse bleibt. Wer so mit Zahlen arbeitet, könnte auch behaupten, dass die "Partei Bibeltreuer Christen" den nächsten Bundeskanzler stellt.

Auf diesen Umstand angesprochen, lässt die zuständige ADAC-Dame in der Münchener Zentrale verlauten, man selbst behaupte ja gar nicht, dass die Ergebnisse repräsentativ seien, das würden nur die Medien verbreiten. Dem entgegen steht aber der kräftige Aufwand, mit dem die dürren Augenblicks-Ergebnisse medial verkauft werden. Die fleißige ADAC-Presseabteilung hat schon am Vortage landauf, landab Medien den am Folgetag zu veröffentlichen Taxi-Test erst angekündigt und dann auch vorab erste Ergebnisse mitgeteilt. Es wurden eine Pressemitteilung verbreitet, zwei "Infogramme" erstellt, ein YouTube-Video durfte nicht fehlen, genauso wenig wie die anderen üblichen Socialmedia-Kanäle. Sogar ein Fix-und-Fertig-Radiointerview "mit ADAC Sprecher Otto Saalmann" erstellten die Öffentlichkeitsarbeiter des in letzter Zeit ob gefälschter Testergebnisse in die Kritik geratenen ADAC. Das Radio-Interview werden, wie leider nicht mehr unüblich, zahlreiche private Rundfunksender als redaktionellen Beitrag versendet haben. Insofern muss sich der ADAC die Kritik gefallen lassen, dass er etwas als groß verkauft und also die Öffentlichkeit über den tatsächlichen Gehalt der "Test-Ergebnisse" in die Irre führt (eben kein "Großer Taxi-Test", liebe Hamburger Morgenpost). Und insofern sind die Ausflüchte der ADAC-Pressemenschen ob der Diskrepanz zwischen intensiver medialer Verkaufe und spärlichster Datenbasis schlicht unglaubwürdig.

Nun ist beileibe nicht alles falsch, was die ADAC-Kontrolleure beobachtet und geschlussfolgert haben. So wird mit ihrer Forderung, Schluss zu machen mit der Kleinstaaterei bei Taxitarifen und -ordnungen (lt. ADAC gäbe es davon über 800 in Deutschland), der Finger in eine offene Wunde gelegt. Eine Wunde, die aber nicht das Taxigewerbe zu verantworten hat, sondern ausschließlich der Bundesgesetzgeber sowie lokale Politiker und Verwaltungsmitarbeiter, von denen manche vermutlich über dieses postensichernde Beschäftigungsprogramm nicht unglücklich sind. Natürlich könnte es auch einen bundesweiten Taxitarif geben, mit der Möglichkeit, in teuren weil wirtschaftsstarken Großstädte mit sog. Hebesätzen zu arbeiten, wie man sie bei Gewerbesteuer und Grundsteuer seit Jahr und Tag kennt. Dem ADAC ist anzukreiden, dass er hier die Ebenen (einerseits ausführendes Taxigewerbe, andererseits rechtlich vorgegebener Rahmen) nicht sauber auseinander hält. Die Leserschaft solch eines Taxi-Tests dürfte ganz mehrheitlich nicht mit den Taxi-Eigentümlichkeiten wie z.B. der staatlichen Preisvorgabe für ein rein privatwirtschaftlich betriebens Geschäft vertraut sein.

Die Großzentrale am Sitz des ADAC, die Taxi München eG, ist trotz der minimalen Datenbasis und der Gefahr, dass "ein einzelner Ausrutscher die Statistik schon erheblich beeinflussen kann" (so Zentralen-Vorstand Frank Kuhle in der "Welt") "froh, dass eine unabhängige Stelle - also nicht aus dem Taxigewerbe - sich des Themas annimmt." Das kann man begrüßen, aber es ändert nichts daran, dass der geringe Test-Aufwand einerseits und die betriebene mediale Großverkaufe andererseits in keinem ordentlichen Verhältnis stehen. Deshalb unser Testergebnis für den Taxi-Test des ADAC: "Mangelhaft".

Links:

   - TAXI-MAGAZIN-Artikel zu ADAC Taxi-Test 2011

   - Taxi-Test 2014 auf ADAC-Webseite

 

 

 

Erstveröffentlichung: 24. August 2014
 
 
 
Text: Clemens Grün

Grafiken: ADAC
 
 
 
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Kommentare

25.08.2014

Gisbert Eichberg

Zu KOMMENTAR Testurteil für ADAC-Taxi-Test: Mangelhaft": Schon bei flüchtigem Lesen fallen gravierende Fehler ins Auge:
Die Vergleichspreise für 7 km Fahrt führen durch die nur rechnerisch ermittelten Kosten in die Irre, die Auswirkungen der Karenzminute lassen Hamburg auf den letzten Platz rutschen, Wartezeit durch Verkehr wirk sich in Hamburg nicht aus. Hier käme ein Platz im Mittelfeld in Frage.
Das korrekte Ausfüllen der Quittung ist ein Problem des Unternehmers, nicht des Fahrers. Der Fahrer muss, neben den anderen Voraussetzungen, nur ggf.Ortskunde nachweisen, Fachkunde und Steuerrecht gehören nicht dazu!
Kartenzahlung, immer wieder ein gern genommenes Thema. Na klar, gehört eigentlich zum Service, der Taxenunternehmer darf aber die hierfür anfallenden Kosten nicht einpreisen, er ist an den Tarif gebunden. Er muss also dem Kunden dies als aufgezwungenen Rabatt, der eigentlich unzulässig ist, weiterreichen. Ganz selten darf er hierfür einen Zuschlag erheben.
Testergebnis mangelhaft, auch von mir.