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KARENZMINUTE: Neue Testfahrten dokumentieren erhebliche Einbußen

Ein von TAXI-MAGAZIN.DE in Zusammenarbeit mit Taxi Altona durchgeführter Test zu den Auswirkungen des Fortfalls der verkehrsbedingten Wartezeit hat ein klares Ergebnis zu Tage gefördert: Die finanziellen Einbußen der Hamburger Taxifahrer sind gravierender als von Vielen erwartet.

Am 23., 24., 25. und 27. Mai 2011 hat TAXI-MAGAZIN.DE in Zusammenarbeit mit Taxi Altona fünf etwa 60 Km lange Testfahrten durchgeführt, um die Auswirkungen der sogenannten Karenzminute auf den Umsatz der Hamburger Taxiunternehmen zu ermitteln. Dazu haben wir zwölf Strecken, die wir für repräsentativ für den üblichen Mix aus kurzen und längeren Taxitouren halten, zu einer Rundfahrt zusammengefasst. Wir haben diese Rundfahrt aus aneinander gereihten Einzeltouren zu verschiedenen Tageszeiten mit einem derzeit nicht eingesetzten Taxi absolviert.

Um den Anteil der verkehrsbedingten Wartezeiten zu ermitteln, haben wir zusätzlich zum normalen Taxameter ein weiteres Taxameter eingebaut, das die Wartezeit zählt, sobald die geschwindigkeitsabhängige Fahrpreisberechnung unter den Wartezeittarif sinkt, wie es vor der Abschaffung der verkehrsbedingten Wartezeit üblich war. Wir haben jede dieser Einzeltouren für die weitere Auswertung in einem Tabellenkalkulationsprogramm erfasst. Zur Dokumentation haben wir bei allen Fahrten das GPS-gestützte Telematik-System der Firma Payco laufen lassen und die von Taxameter und PDA angezeigten Daten mit einer Videokamera aufgezeichnet. Die jeweils gefahrene Strecke, lässt sich anhand der auf dem PDA angezeigten Position und der auf dem Server gespeicherten Positionshistorie nachvollziehen.

Zum Zeitpunkt der Testfahrten herrschte eher eine unterdurchschnittliche Verkehrsdichte vor. Es gab, von einigen Situationen um den Dammtorbahnhof abgesehen, kaum Verkehrsstaus. Die langen Wartezeiten am Tage rührten alleine vom teils etwas zähfließenden Verkehr her. Extremsituationen wie bei schlechten Witterungsverhältnissen, Messen und Großveranstaltungen oder großräumigen Sperrungen gab es nicht. Nicht erfasst wurden außerdem die Wartezeiten, die durch Taxibestellungen oder Zwischenstops von den Kunden verursacht, aber wegen der Gratisminute nicht berechnet wurden.

Wir haben uns bei den Testfahrten halbwegs an die Verkehrsvorschriften gehalten. Das bedeutet: Geschwindigkeit nicht wesentlich höher als 60 Km/h, keine Beschleunigung auf 80 oder 90 Km/h, wenn die Ampel rot zu werden droht und bei Gelb gestoppt, wenn ein Anhalten mit moderatem Bremsen möglich war.

Trotz der geschilderten günstigen Verkehrsbedingungen zeigte der Test deutlich, dass die negativen Auswirkungen der Karenzminute auf die Einnahmesituation der Hamburger Taxenbetriebe wesentlich gravierender sind, als bisher angenommen. Tagsüber zeigte der Taxameter ohne Karenzminute durchschnittlich, je nach Wochentag, zwischen 18 und knapp 22 Prozent mehr an als der Taxameter mit dem aktuellen Tarif. Einzelne Touren wären ohne Karenzminute mehr als 50 Prozent teurer geworden. Sogar nachts zeigte der Taxameter ohne Gratis-Wartezeit durchschnittlich über 10 Prozent mehr an. Bei Fahrten durch die Innenstadt, waren es bis zu 25 Prozent. Der Anteil der verkehrsbedingten Wartezeit an der gesamten Fahrtzeit betrug tags durchschnittlich etwa 40 Prozent, nachts knapp 30 Prozent.

Zwar ist dieser Test nicht repräsentativ – die Ergebnisse sind aber allemal überraschend. Ein Langzeit-Test dürfte noch deutlicher zeigen, wie hoch die Einbußen wirklich sind, die das Hamburger Taxengewerbe durch das von den Kunden kaum beachtete Dauerwerbeangebot „Karenzminute“ hinnehmen muss.  Besonders der Vergleich mit den Tarifen anderer Großstädte verschleiert die Tatsache, wie preiswert die Hamburger Taxen ihre Kunden bedienen. Dieser Vergleich mit sechs deutschen Großstädten wird demnächst Gegenstand eines  weiteren Beitrages sein.

Damit sich unsere Leser ein genaues Bild von den Auswirkungen der Gratisminute machen können, stellen wir hier die Ergebnisse als PDF-Datei und als Excel-Tabelle zur Verfügung.

Exemplarisch finden sie hier drei der zur Dokumentation aufgenommenen Videos und eine Zusammenfassung des Positionstracking einer Rundtour in (systembedingten) 30-Minuten-Intervallen.

-> Video Tour Nr. 7 - Grand Elysee --> Hafencity am 27.05.2011 um 10:22 Uhr:

-> Video Tour Nr. 10 - Nobistor --> Heuberg am 27.05.2011 um 11:12 Uhr:

-> Video Tour Nr. 7 - Grand Elysee --> Hafencity am 23.05.2011 um 23:08 Uhr

-> PDF mit Tracking-Angaben

 


Erstveröffentlichung: 8. Juni 2011

Text und Foto: Sven Althorn
 

 

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TAGS (Schlagworte):


Artikel :.: Hamburg :.: 2011 :.: Behörde_BSU :.: Anhörung :.: Behörde_Wirtschaft :.: Karenzminute :.: ÖPNV :.: Stau :.: Taxitarif :.: Testfahrten

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Kommentare

24.12.2011

R.Perez Hagen

Ich möchte hiermit alle hamburgischen Taxiverbänden vorschlagen einen runden Taxitisch mit Behörden,Politik,IHK zu bilden um sich ab 2012 regelmäßig zu treffen als eine ARGE-Taxigewerbe-Hamburg um alles was uns betrifft von A-Z zu besprechen,zu erörtern,zu diskutieren,damit Taxenunternehmen vernünftig Arbeiten können.Für sehr wichtig halte ich das Thema öffentliche Taxihalteplätze,Öffentlichkeitsarbeit und Werbung in eigener Sache um gezielt auf die Bevölkerung zuzugehen,um unsere Dienstleistungen einmal vorzustellen.Auf NTV lief am 22.12.2011 eine kurze Werbesendung über die Nachtapotheken,damit diese nachts ezwas besser ausgelastet sind.Z.B.könnte man ähnliches auch für das hamburgische örtliche Taxigewerbe anbieten (aber nicht gleich in einem Werbefilm weil zu tuer),sondern nach kostengünstigen Lösungen suchen.Wir sind m.E.nicht so in der Öffentlichkeit vertreten wie andere Branchen.Dieses sollte sich ändern,damit wieder mehr auf das Taxi zurückgegriffen werden kann.Als nächster Punkt wäre noch zu nennen,daß es der Taxispeicher Flughafenstraße 22335 Hamburg verkleinert werden soll,weil dort 2012 ein Parkhaus vergrößert bzw. erweitert werden soll.Wichtig ist die Klärung über eine Ersatzfläche zur Bereitsstellung von ca.400 Taxen am HH-Flughafen.

26.06.2011

R.Perez Hagen

Also wie ich sehe entwickelt es sich hier im Taximagazin immer besser. Die Verbandsarbeit dazu und wir kommen in die richtige Richtung. Den Redakteuren wünsche ich weiterhin viel Erfolg und gutes Gelingen.

09.06.2011

R.Perez Hagen

Eine sehr gute Sache, die dem Taxigewerbe und der Verbandsarbeit sehr hilfreich und nützlich sein wird. Zunächst einmal ein großes Dankeschön an dieses Engagement und den Einsatz für alle Kollegen des hamburgischen Taxengewerbes. Es gibt doch noch immer wieder gute und brauchbare Ideen.

08.06.2011

Ivica Krijan

Hallo Kollegen

Euer Engagement ist hinreißend. Es bleibt einem nicht Anderes übrig, als einen dicken Lob auszusprechen.

Eure Ergebnisse bestätigen die Ergebnisse des Kollegen Tezlaff und meiner Wenigkeit. Allerdings sind eure Ergebnisse so eindeutig, dass ich nicht weiß, ob ich mich deswegen freuen darf oder lieber Zweifel an der Durchführung haben sollte. Sowohl bei Tezlaff aber auch bei mir wirkte sich die Karrenzminute mit ungefähr 13 % aus.

Wie dem auch sei, alle Ergebnisse zeigen eine Richtung und zwar mehr als eindeutig. Dennoch ist aber auch Vorsicht vor der Euphorie geboten.

In den Städten ohne der KM sind die Wartezeit und die Kilometerpreise billiger. Deswegen reicht es nicht den Hamburger Tarif mit sich selbst zu vergleichen, sondern man muss es mit anderen Städten tun.

Auch wenn leise Skepsis bei mir bestehen bleibt, möchte ich mich noch einmal für eure Arbeit bedanken und meine Anerkennung aussprechen.

MkG
Ivica Krijan

08.06.2011

Jörn Napp

Also, was die IHK betrifft, kann ich nur NOCH EINMAL feststellen, daß der DORTIGE VERTRETER der Taxen ein gewisser THOMAS LOHSE ist! Ein Mann, der doch angeblich 'auf dem besten Wege' ist, etwas für uns alle zu tun!?
Wie bekommt der bloß diesen DREIFACHEN Rittberger hin, auf der einen Seite die IHK zu vertreten. dann seine Genossen beim Hansa und obendrein auch noch UNS ALLE ?!

07.06.2011

Marcel

Danke liebe Kollegen für die Mühe, die Ihr investiert habt. Es hat sich gelohnt, wird einem doch schwarz auf weiß vor Augen geführt, das wir es hier zur Zeit mit einer massiv gewerbeschädigenden Tarifstruktur zu tun haben. Ein massiver Eingriff in die Rentabilitätsmöglichkeiten des Gewerbes, das in seiner gesamten Struktur ohnehin schon an der Rentabilitätsgrenze arbeitet, wird hier behördlich verordnet.

Es ist Zeit für eine moderne Tarifstruktur, die bedarfsorientiert gestaltet ist. Es wird Zeit, die bestehenden Ungerechtigkeiten endlich zu beseitigen. Insbesondere stellt sich die Frage bei der Handelskammer, die ja in ihrer Funktion die Interessen der Gewerbetreibenden positiv unterstützen sollte. Sie entpuppte sich in der Vergangenheit oft als Interessenvertreter der Fahrgäste.

Auch die Taxenbehörde muß sich immer wieder die Frage gefallen lassen, ob sie weiterhin bereit ist, auf dem Rücken des Gewerbes Geschenke an die Fahrgäste zu verteilen.Die letzten Tarifanpassungen waren eine Show für das Auge, keine für das Portemonnaie im Gewerbe. Sie hätten allesamt kaum stattfinden müssen, wäre man frühzeitig vom Fehlkurs Karenzminute abgewichen. Auch das ist ein Ergebnis des excellenten Artikels.

07.06.2011

Engel, Eberhard

Ich kann mich da meinem Vorkommentator Herrn Eichberg nur anschließen. Eine hervorragende Arbeit, die, wenn auch wie im vorliegenden Artikel schon erwähnt nicht repräsentativ ist, zu Denken gibt. Ob damit die Mauer der zuständigen Behörde - „bringen sie belastbare Zahlen“ - einzureißen ist mag erst einmal dahingestellt sein. Denn die Taxenbehörde hat quasi ein vom Hamburger Oberverwaltungsgericht „verbrieftes Recht“ den Tarif nach ihrem Gutdünken zu gestalten.

Dies könnte auch bedeuten, dass bei einem Tarif ohne Karenzminute die km-Preise nach unten gehen.

Wahrscheinlich ist aber der rechnerische Umsatzverlust noch wesentlich prägnanter als er sich aus den einzelnen Testfahrten ergibt, denn,

Zitat TAXI-MAGAZIN:

„Tagsüber zeigte der Taxameter ohne Karenzminute durchschnittlich, je nach Wochentag, zwischen 18 und knapp 22 Prozent mehr an als der Taxameter mit dem aktuellen Tarif. Einzelne Touren wären ohne Karenzminute mehr als 50 Prozent teurer geworden.“

Diese 18 bis 22 % stellen Durchschnittswerte dar. In Anbetracht der Tatsache dass ca. 60% der Touren im Bereich bis ca. 6 km liegen dürften dann auch verstärkt die 50% umsatztechnisch zum Tragen kommen. Umsatzbezogen treffen die reinen Tourenmittelwerte nur bedingt eine Aussage. Der tatsächliche Umsatzverlust dürfte dann ergo irgendwo zwischen 18%/22% und 50% liegen.

Aber noch einmal. Kompliment. Damit kann man arbeiten. Daran sollten sich unsere Gewerbevertreter ein Beispiel nehmen (wenn sie dann könnten).

Engel

07.06.2011

G. Eichberg

Toller Beitrag! Sauber vorbereitete Testfahrten,
sorgfältig ausgearbeitetes Ergebnis!
Danke dafür an alle Beteiligten!
Das Ergebnis überrascht nicht wirklich, lediglich die Höhe des "Lohnraubs" ist wirklich schockierend!Wenn jetzt noch die Auslastung an andere Städte durch Verringerung der Anzahl der Taxen angepasst wird, ist die "Funktionsfähigkeit" des Hamburger Taxengewerbes gesichert.
Jetzt muss sich die Behörde bewegen oder der Asphalt könnte "tunesisch" werden!