Print

Aktuelle Nachrichten

14.03.2014

mytaxi verliert durch neues Tourensystem 1000 Taxis

weiter lesen


27.02.2014

BZP veröffentlicht Wissensdatenbank taxipedia.info

weiter lesen


23.02.2014

HTV listet Probleme um Reeperbahn-Taxiposten auf

weiter lesen


23.02.2014

Der Kampf um Tourvermittlungs-Apps wird rauher

weiter lesen


22.02.2014

TAXI-MAGAZIN.DE bei Twitter und Facebook

weiter lesen


11.02.2014

"Miniatur Wunderland" lädt Taxifahrer ein

weiter lesen


07.02.2014

Daten aus Fiskaltaxametern bilden Basis für neuen Gewerbe-Bericht

weiter lesen


01.02.2014

Neues Napp-Forum startet ohne Jörn Napp

weiter lesen


31.01.2014

Bericht von und Medien-Links zur Taxidemo gegen mytaxi

weiter lesen


28.01.2014

Flugblatt zur Taxidemo gegen geplante mytaxi "Unfair-Mittlung"

weiter lesen


FISKALTAXAMETER: Neue Geräte schützen nicht vor Manipulationen

Die Taxameterdaten sollen sicher sein gegen Manipulationen - das ist der Kern des Konzeptes vom Fiskaltaxameter. Doch die inkonsequente Umsetzung eröffnet, ausreichender Wille zur illegalen Tat vorausgesetzt, auch künftig zahlreiche Möglichkeiten zur Verkürzung der offiziellen Einnahmen - und können sogar Umsatzverkürzungen begünstigen.

Seit mehr als zehn Jahre wird die Idee eines Fiskaltaxameters diskutiert - nun sollen, als bundesweites Pilotprojekt, in Hamburg ab diesem Jahr erste Fakten geschaffen werden. Die Bürgerschaft bewilligte in einer ihrer letzten Sitzungen der abgelaufenen 19. Wahlperiode 4,7 Millionen Euro für 2011 und 2012 zur Voll-Subventionierung von Fiskaltaxametern für quasi alle Hamburger Taxen. Die eingesetzten Gelder, so die Annahme des damaligen Senats samt seiner Taxenaufsichts-Behörde BSU, werden sich binnen zwei Jahren selbst finanzieren - durch weniger Steuerhinterziehung bei den Hamburger Taxenunternehmern.

 

Die Hamburger Taxenunternehmer gelten hiesigen Verantwortlichen in Politik und Verwaltung im Vergleich mit anderen Städten als besonders unzuverlässig. Bei dieser Negativ-Einschätzung können sie sich berufen auf eine Einschätzung des auch bundesweit aktiven Hamburger Gutachters Thomas Krause (52), dessen Firma "Linne und Krause" seit Jahren im Auftrag der Hansestadt das laufende Gutachten über das lokale Taxengewerbe erarbeitet. So hatte Krause bei einem Fachvortrag vor zwei Jahren, im Februar 2009, behauptet, die Zahl der Hamburger Taxen mit "unplausiblen Umsätzen" läge bei fast 60% - der mit Abstand höchste Wert in Deutschland (an zweiter Stelle folgte Frankfurt mit einem fast 20 prozentigen Abstand).

 

Diesen Sumpf trocken zu legen hat sich die Hamburger Taxenaufsicht vorgenommen. Ihre bisherige Strategie, spätestens bei der alle fünf Jahre fälligen Konzessionsverlängerung die mit den Steuerklärungen angegebene Taxen-Umsätze, aber auch die einhergehenden Personalkosten auf ihre "Plausibilität" zu prüfen, kam aber gerade bei großen Taxenbetrieben oft an ihre Grenzen. Immer wieder umfassten die Sammlungen von Schichtzetteln und anderen Buchhaltungs-Unterlagen gerade bei Mehrwagen-Unternehmern eine größere Menge an Kartons, die händisch zu überprüfen die Mitarbeiter der BSU häufig vor unlösbare Aufgaben stellten.

 

Abhilfe für diesen Missstand sollen automatische Prüfungen "auf Knopfdruck" bringen. Statt tagelanger manueller Nachrechnerei (wenn gerichtsfest ab bestimmten Betriebsgrößen überhaupt noch möglich) soll künftig Prüf-Software binnen Minuten feststellen können, ob die vorgelegten Taxameter-Daten echt, unmanipuliert und vollständig seien. Liefern sollen diese "revisionssicheren Taxameterdaten" neue Taxameter-Modelle, die von den Herstellern Hale und Kienzle für den Sommer 2011 angekündigt werden - und die die Hamburger Taxenaufsicht mit einer vollen Geräte-Subvention lt. Bürgerschaftsdrucksache 19/7882 bis Ende 2012 in nahezu alle Hamburger Taxen bringen will. Allein bis Ende 2011 soll - gemäß der laufenden Haushaltsplanung - mit 2,5 Millionen Euro die Aussattung von mehr als der Hälfte aller Hamburger Taxen mit diesen Fiskaltaxametern finanziert werden.

 

Um ihren Ansinnen Nachdruck zu verleihen, hat die noch für die Taxenaufsicht zuständige "Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt" mit Schreiben vom 5. April 2011 schon einmal jenen Taxenunternehmern mit verschärften Überprüfungen gedroht, "die nunmehr Taxameter ohne Einzelaufzeichnung oder Datenexportfunktion gezielt beschaffen und im Betrieb einsetzen". Harter Tobak, zumal die Nutzung älterer Taxameter mindestens bis zum Jahre 2016 völlig legal ist und die Anschaffung und der Einsatz von Fiskaltaxametern ausschließlich auf freiwilliger Basis erfolgen können.

 

Dabei bieten nicht nur die alten Taxameter die Möglichkeit zum Schönrechnen der Taxenumsätze. Auch nach dem Einbau eines Fiskaltaxameters können künftigTaxenunternehmer weiterhin Steuerverkürzungen vornehmen. Griechenlands Taxifahrer haben das bei der Einführung von Fiskaltaxametern in ihrem Land vorgemacht - seitdem schalten viele der dortigen "Kutscher" bei Fahrtbeginn den Taxameter gar nicht mehr ein, sondern handeln die Preise vorher aus oder agieren mit Festpreisen. "Sieger", also Fahrten ohne Taxameter, wären fortan keine Domäne unehrliche Fahrer im Angestellten-Status mehr, sondern würden zunehmend auch bei (allein-) fahrenden Unternehmer anzutreffen sein. Die fehlende Absicherung der Einführung von Fiskaltaxametern durch eine Pflicht für Sitzkontakte (die bei Fahrgästen automatisch den Taxameter einschalten würden) oder eine Bonpflicht ist für diese offene Flanke des Hamburger Fiskaltaxameter-Konzepts verantwortlich. Dabei wurde die Bonpflicht entsprechend Registriekassen in einem Referentenantwurf des Bundesfinanzminsteriums (BMF) schon 2008 vorgeschlagen und später wieder einkassiert.

 

Zwar wird durch das Sicherheitskonzept für Fiskaltaxameter mit dem dem sofortigen digitalen Signieren der Daten jeder einzelnen Tour einer nachträglichen Umsatz-Manipulation effektiv begegnet, weil dieses mit Prüfprogrammen sofort erkennbar würde. Auch gelten theoretisch mögliche Angriffe auf die Datenintegrität wie ein sog. "Koalitionsangriff" als höchst unwahrscheinlich, wie Dr. Norbert Zisky von der federführenden Physikalisch-Technischen Bundesanstalt erläutert: "Hier müssten auch Taxameter-Hersteller und Taxi-Hersteller an den Daten-Manipulationen beteiligt sein - ein höchst unwahrscheinliches Szenario". Doch die Möglichkeit von Einnahme-Manipulationen im Zeitalter des Fiskaltaxameters bedarf keiner großen technischen Ein- und Angriffe. Würde beispielweise zusätzlich zu dem Fiskaltaxameter ein zweites Taxameter (z.B. ein unauffälliges Spiegel-Taxameter) eingebaut und z.B. statt des Fiskaltaxameters bei jeder 4. oder 5. Fahrt zum Einsatz kommen, würde das Fiskaltaxameter plausible und unmanipulierte Daten liefern - aber eben keine vollständigen. Im Gegenteil: Durch das Fehlen der Tacho-Kilometerangaben bei den künftigen "elektronischen Schichtzetteln" würden diese Manipulationen fortan unentdeckt bleiben können - das Gegenteil der angestrebten Zuverlässigkeit von Daten aus Fiskaltaxametern. Dass die bei einem solchen Szenario fehlende Eichmarke am Zweit-Taxameter einem Fahrgast auffallen würde, darf dabei als eher unwahrscheinlich angenommen werden.

 

Ein weiterer Aspekt bei einem solchen Manipulations-Szenario sollte nicht unterschätzt werden: Fahrzeuge mit einem Fiskaltaxameter und ihre Unternehmer dürften in den nächsten Jahren, solange alles noch freiwilig eingebaut wird, bei den Behörden und Ämtern einen Vertrauensvorschuss genießen - die aktiven Verweigerer wären im Fadenkreuz von behördlichen Überprüfungen und Kontrollen. Wer mit technischen Tricks das Konzept des Fiskaltaxameters untergräbt, hätte nicht nur illegale Zusatzeinnahmen und plausible Taxameter-Daten - er hätte auch einen deutlich geringeren Kontrolldruck durch die Behörden und Ämter zu erwarten, die mit den laufenden Überprüfungen der zahlreichen Digital-Verweigerer auf Jahre gut ausgelastet wären. Daten-Hacker wissen das schon seit langem: "Social Engenieering" ist meist effektiver als ihre technische Variante. Wer weiß, wo der Zettel mit dem Passwort liegt, erspart sich technisch aufwändige Prozeduren des Passwort-Knackens. Taxenunternehmer, die künftig den Behördenerwartungen in Bezug auf freiwillige Fiskaltaxameter-Nutztung entsprechen, hätten bei illegalen Einnahmeverkürzungen eine geringere Gefahr der Entdeckung.

 

Die ehrlichen Analogen wären dann die Dummen.

 

Erstveröffentlichung: 12.5.2011

 

Text: Clemens Grün

Foto: Boy-Ove Dau

 

 

----------
TAGS (Schlagworte):


Artikel :.: Hamburg :.: 2011 :.: Behörde_BSU :.: Bürgerschaft_HH :.: Recht :.: Steuern_und_Abgaben :.: Taxameter :.: Krause_Thomas :.: Ströh_Michael :.: Tesymex_UG :.: Hale :.:  Kienzle :.: Physikalisch_Technische_Bundesanstalt
----------
 

 

Den Artikel kommentieren? Ganz unten befindet sich die Möglichkeit, einen Leser-Kommentar zu verfassen. Wir möchten Sie/Euch bitten, dabei die Regeln der Höflichkeit sowie die Gesetze zu beachten. Die Redaktion behält sich in Einzelfällen Kürzungen oder die Löschung eines Leser-Kommentars vor.

 

 

Zurück


Kommentare

13.08.2011

Manfred Schröder (PayCo GmbH)

Als mich am 02.07.2006 Thomas Krause (Linne + Krause Marketing-Forschung GbR - Hamburg) gebeten hat, über ein Angebot zur Aufrüstung eines HALE Taxameters zu einem Fiskaltaxameter nachzudenken, habe ich nicht lange gezögert. In einer großen Präsentation unserer M-Tax-Lösung im Herbst 2006 in den Räumlichkeiten von Linne + Krause vor versammelter BSU-Mannschaft sowie der Finanzbehörde Hamburg ist das sofortige Auslesen der Taxameterumsätze in Verbindung mit den jeweiligen Start / Ziel-GPS-Daten auf grötes Interesse gestoßen.
Für die Pilotierung der "Behördenträume" wurde die Firma TESYMEX UG ( Geschäftsührende Gesellschafter des Unternehmens sind Thomas Krause, Michael Ströh und Gerrit Kuhlendahl) gegründet und von der Hamburger Wirtschaftsförderung 2009 großzügig finanziert. Zusammen mit HALE träumte TESYMEX fortan von üppigen Erträgen als Trust-Center-Betreiber und HALE von einem Austausch aller Taxameter in Deutschland.

Diese Fiskaltaxameterträume platzen am 26.11.2010 mit dem legendären BMF Schreiben. Die Ausnahmeregelungen zur Aufbewahrungspflicht von Digitalen Kassendaten für das Taxengewerbe ist mit sofortiger Wirkung aufgehoben worden. Als dann noch Silke Bruns (Pressesprecherin Bundesministerium der Finanzen Berlin) in einem Hallo-Taxi-Interview präzisierte, dass "der Begriff Fiskaltaxameter von Seiten der Finanzverwaltungen nicht verwendet wird" und dass "ein Chip (zur Absicherung der Taxameterumsätze) von den Finanzverwaltungen nicht gefordert wird" , sollte der Hamburger Senat das Millionen-Budget für den TESYMEX-Fiskaltaxameter-Test sinnvolleren Projekten zuführen.

Fast alle HALE Taxameter verfügen schon über "eine Schnittstelle zur Übertragung von Umsatzdaten auf ein externes Speichermedium" und müssen 10 Jahre fälschungssicher aufbewahrt werden. Zusätzlich werden im M-Tax-System www.pay-co.de die GPS-Daten (Start- / Zieladresse) im elektronischen Schichtzettel sicher gespeichert - Manipulation ausgeschlossen.

Ein Betriebsprüfer kann in Zukunft auch von Taxibetrieben die sogenannte "GDPdU Datei" mit allen Umsätzen der Prüfungsjahre verlangen - ab 26.11.2011. In der Praxis wird es sicherlich aufgrund der fehlenden "GDPdU Datei" Verwerfungen der Schichtzettel geben mit den bekannten Folgen.

Manfred Schröder
Geschätsführer PayCo GmbH Hamburg

15.05.2011

James

Dieser Beitrag von Clemens Grün zeigt doch lediglich die Realität auf. Es ist eben mal kein Kasper-Artikel der immer nur theoretisches Wunschdenken wieder gibt.
Der Mensch ist schlecht, das ist eine Tatsache. Oder zweiffelt da jemand dran? Es werden die Lücken gesucht, sie werden gefunden werden, und die Einzigen die Zahlen sind die Dummen - das war noch niemelas anders im Laufe der Weltgeschichte.

Der Beitrag ist sehr gut gelungen. kein Idologisches gefasel.
Es muß andere Möglichkeiten geben, wie wir die schwarzfahrenden griechischen Taxifahrer mit unseren Steuergeldern unterstützen können, und deren nicht vorhandene Steuerzahlungen ausgleichen können. Auf jeden Fall ist es sehr gut überlegt, das wir quasi die griechischen Steuern mitbezahlen . allen voran Herr Napp.
Super.... äh.. wer zahlt nochmal ?? Der Dumme oder der Schlaue ?!

14.05.2011

Jörn Napp

Also eines verstehe ich nicht: Wenn eine Uhr in EINEN WAGEN eingebaut wird, ist sie EIN TEIL dieses Wagens geworden und zählt Umsätze und Kilometer EBEN DIESES WAGENS! Also wird man dieses Teil unbedingt in Zusammenhang mit einem bestimmten Wagen bringen KÖNNEN und MÜSSEN! Dazu dann eine Fahrer-Karte durch ein Lesegerät ziehen, und wir haben eine gute Möglichkeit der Kontrolle!
ANMERKUNG DES AUTORS: Es geht beim Fiskaltaxameter um die Steuerpflicht eines Unternehmers - Autos zahlen keine Steuern. Wird das Taxi verkauft, muss das Fiskaltaxameter ausgebaut werden - es ist an den Unternehmer gekoppelt, nicht an den Wagen. Im Übrigen gibt es weder die gesetzliche Pflicht noch die technische Praxis, dass die Automobil-Hersteller für solch eine "Wegfahrsperre" Technik verbauen.

13.05.2011

Clemens Grün, Redaktion TAXI-MAGAZIN.DE

Das hier beschriebene Szenario wurde weder von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (zwei Fachabteilungen) noch von "Tesymex" noch von der Projektleiterin bei "Hale" noch von Mitarbeitern der Taxenaufsicht in Zweifel gezogen. Aber die verstehen auch ein bisschen was von der Materie. Eine Koppelung des Fiskaltaxameters an einen bestimmten Wagen geht dagegegen nicht, da die Taxameter wagenunabhängig personalisiert werden im Hinblick auf die Steuerpflicht. Im Übrigen war Redakteur Sven Althorn einst Autor der renommierten "Computerwoche", und Redakteuer/Autor Clemens Grün Geschäftsführer einer IT-Firma. Ausreichenden Sachverstand darf die Leserschaft hier also erwarten.

13.05.2011

Jörn Napp

Es wurde schon von mir erwähnt: Diese Manipulationsmöglichkeiten könnten SEHR EINFACH dadurch umgangen werden, indem das Auto schlicht ohne eingeschaltete Uhr nicht mehr bewegt werden dürfte oder gar könnte! Auch bei Pauschalfahrten, wie es bei praktisch allen heutigen Taxametern vorgesehen ist aber ignoriert wird von allen Seiten, muß das Gerät eingeschaltet und der ausgehandelte Fahrpreis eingegeben werden! Und der 'Trick' mit einer zweiten Uhr ist ja wohl richtig grottig! Welcher Dösbaddel will das denn durchführen? Ganz abgesehen davon, daß da auch der obige Satz gilt: Keine Fahrt OHNE das ordnungsgemäße Taxameter! Und dann die ganzen Leerkilometer? Wenn es denn Manipulationsmöglichkeiten gäbe, sollte man da mal den CCC ranlassen. DIE würden vielleicht was finden.

13.05.2011

Monti

In Italien ist seit langem auf allen Wochenmärkten auf jedem Stand eine Registrierkasse mit Bonausdruck vorgeschrieben.
Jeder Kunde kann damit rechnen, irgendwo in der Nähe des Marktes von der Finanzverwaltung (Guardia di Finanza) nach dem Bon gefragt zu werden. Da geht es also auch!
Werden in Zukunft alle Fahrten ohne Taxameter wie Ferntouren, Botenfahrten etc. "vergessen"?